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"Mit Manger-Lautsprechern gibt es eigentlich nur ein Problem: man kommt davon nicht mehr weg."



Aufnahmeleiter Manuel Philipp Gruber spricht über seine Lieblingslautsprecher Manger c1 (die beiden äußeren Lautsprecher)



ERNA: Manger c1. So heißen die Lautsprecher, für die Du stark plädiert hast und die nun hier im ERNA Studio stehen. Was ist an ihnen so besonders?


Manuel Gruber: Sie sind so besonders, weil sie Musik unverfälschter und echter wiedergeben als alle anderen Lautsprecher, die ich kenne.


ERNA: Woran liegt das?


Manuel Gruber: Sie funktionieren nach einem anderen Prinzip. Die meisten Lautsprecher sind nach dem Feder-Masse-Prinzip aufgebaut und ihre Membran bewegt sich vor und zurück. Abgesehen von der relativen Trägheit, die diese Funktionsweise mit sich bringt, entsteht dabei auch ein Nachschwingen, was Ungenauigkeiten und Verfälschungen in der Klangwiedergabe zur Folge hat.


Der Erfinder und Akustikentwickler Josef Wilhelm Manger (1929 - 2016) hat einen vollkommen andersartigen Lautsprecher erfunden, bei dem sich die Membran nicht als Ganzes vor und zurück bewegt. Manger entwickelte eine Plattenmembran, die Bereiche unterschiedlicher Steifheit hat, wie die Basilarmembran im menschlichen Innenohr. Diese Membran schwingt in sich und die Wellen breiten sich in ihr vom Zentrum zum Rand hin aus. Das ist wie bei den Wellen, die entstehen, wenn man einen Stein ins Wasser fallen läßt und wie das Schilf am Ufer dämpfen dann am Rand der Membran die Zacken des 9zackigen Sterns die Schwingungen ab, damit sie dort nicht reflektiert werden und wieder zurück in Richtung der Membranmitte laufen. Die Membran speichert keine Energie. Im Lautsprecher sind 15 Neodym-Magnete in einem Kreis angeordnet und erzeugen ein sehr starkes Magnetfeld, in dem eine sehr leichte (0,4g) Schwingspule mit zwei Wicklungen sich bewegt. Die Anstiegszeit dieser Konstruktion beträgt nur 13 Mikrosekunden und außerdem entsteht, im Gegensatz zu herkömmlichen Feder-Masse-Lautsprechern, kein Nachschwingen.

Durch diese einzigartige Bauweise können die Manger-Lautsprecher Musik viel genauer auflösen als andere und geben feinste Details in der Musik einfach besser wieder. Das ist unter anderem auch für die Rauminformationen in der Musik wichtig. Die Raumanteile des Klangs, die als Reflexionen von den Wänden zurückkommen, sind deutlich leiser als die Hauptschallquelle. Durch die Präzision mit der die Manger-Lautsprecher diese Feinheiten wiedergeben, ergibt sich eine faszinierende Räumlichkeit des Klangbildes.


Ein zusätzlicher Vorteil ist, dass die Manger-Schallwandler ein außergewöhnlich großes Frequenzspektrum von 330 Hertz bis 40000 Hertz wiedergeben können. Für die tiefen Frequenzen sind unterhalb des Manger-Schallwandlers im Gehäuse und oberhalb, als extra Modul, zwei Tieftonchassis mit Glasfaser-Polyester-Sandwich-Membranen und konventionellem Antrieb verbaut. Mit ihrer Unterstützung deckt die c1 dann auch die tiefen Frequenzen bis 30 Hertz ab. Dadurch, dass die Frequenzweiche für die beiden konventionellen Tieftöner nur den Bereich unterhalb von 330 Hertz abzweigt, bleibt, im Gegensatz zu vielen anderen Lautsprechern, wo der Übergang bei 2500 bis 3000 Hertz liegt, der Frequenzbereich oberhalb von 330 Hertz vollkommen unbeschädigt und unzerschnitten.



ERNA: Warum ist das so wichtig?


Manuel Gruber: In den Mitten und hohen Mitten spielen sich sowohl die menschliche Sprache als auch die Hauptklanganteile der meisten akustischen Musikinstrumente ab. In diesem Bereich ist unser Gehör besonders sensibel für Klangverfärbungen. Wenn das Signal zerschnitten und in der Luft vor dem Lautsprecher wieder zusammengefügt wird, kommt es zwangsläufig zu kleinen Fehlern und Verschiebungen, die in diesem Bereich des Frequenzspektrum besonders auffallen, und das Signal wirkt dann unecht und verarbeitet.


ERNA: Ist die c1 der einzige Lautsprecher, den es von Manger gibt?


Manuel Gruber: Nein, nein, da gibt es verschiedene Modelle, als Standlautsprecher, zur Wandmontage, ich habe neulich sogar ein Modell zum Einbau in die Wand gesehen.


ERNA: Warum wird diese Technik nicht von anderen kopiert?


Manuel Gruber: Keine Ahnung, da kann ich nur mutmaßen. Möglicherweise liegt es an der aufwändigen Fertigung. Eine 70 mm große Doppelschwingspule, die nur 0,4 Gramm wiegt, genau zu platzieren, und das bei Toleranzen von 0,008 mm, erfordert eine hohe Fertigungspräzision. Vielleicht liegt es auch am Patentschutz?


Da fällt mir noch ein tolles, zusätzliches Feature unserer Lautsprecher ein: die Holoprofile, eine besondere Schallführung. Sie sind von außen auf den Manger-Stern aufgesetzt und verdecken die Hälfte des Sterns.


ERNA: Warum das?


Manuel Gruber: Josef Manger hat festgestellt, dass die Hälfte des Sterns schon alles wiedergibt, was es zu hören gibt. Die andere Hälfte gibt nochmal das Gleiche wieder. Wir hören dadurch, in der Hörebene seitlich leicht versetzt, alles noch ein zweites Mal, was zu einer Art akustischem Doppelbild führt. Mit diesen Holoprofilen verschwindet das zweite Klangbild und die Wiedergabe ist noch präziser. Ich finde es erstaunlich, dass nicht alle Manger-Lautsprecher serienmäßig damit ausgestattet sind, da der Unterschied deutlich hörbar ist. Alles klingt noch klarer und aufgeräumter.


ERNA: Wo werden die Lautsprecher hergestellt?


Manuel Gruber: Sie sind komplett ‚Made in Germany‘, worauf das Unternehmen auch stolz ist.

Die Tochter von Josef Manger, Daniela Manger (studierte Elektroingenieurin), führt das Unternehmen bereits seit 1991, es hat seinen Sitz in Mellrichstadt in der Rhön in Unterfranken.


ERNA: Wo hast Du diese Lautsprecher entdeckt?


Manuel Gruber: Durch einen Zufall. Auf einer Fachmesse wollte ein Hersteller die Vorzüge eines Effektgerätes vorführen. Für diese Demonstration waren die Manger-Lautsprecher natürlich optimal, da man darauf jede kleinste Klangänderung sehr gut hören kann. Das Effektgerät war ganz nett, aber die Manger-Lautsprecher mit ihrer genauen Auflösung und ihrem natürlichen Klang, haben mich tief beeindruckt.


ERNA: Würdest Du auch den Endverbraucher:innen Manger Lautsprecher empfehlen oder macht das nur in einem Tonstudio Sinn?


Manuel Gruber: Im Hifi-Bereich sind manche Lautsprecher darauf getrimmt, gefällig zu klingen. Die Manger-Lautsprecher sind ungeschminkt. Wenn jemand das mag, dann auf jeden Fall.


Für uns ist es wichtig, so viel zu hören, wie man irgendwie hören kann, und genau das zu hören, was auf der Aufnahme ist, nicht mehr und nicht weniger. Dann sind wir produktionstechnisch auf der sicheren Seite. Wir haben hier gleich daneben zum Vergleich auch „Schönhörboxen“ stehen, die in den Tiefen noch etwas hinzufügen und die Höhen noch ein bisschen knackiger machen, aber was aus den Manger-Lautsprechern kommt, ist halt echt.

Wir haben hier schon gewitzelt, die ERNA App auch in einem Paket-Angebot zusammen mit Manger-Lautsprechern anzubieten.


Die Erna-App ist für Musiker:innen. Diese verbringen viel Zeit mit ihrem Instrument und wissen sehr genau, wie ihr Instrument klingt. Und genau so soll es dann auch bei der Wiedergabe der Aufnahmen klingen. Musiker:innen sind da sehr sensibel. Dadurch entsteht natürlich auch ein hoher Anspruch an uns.


Mit Manger-Lautsprechern gibt es eigentlich nur ein Problem: man kommt davon nicht mehr weg.



ERNA: Vielen Dank für das interessante und aufschlussreiche Gespräch.








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