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künstlerische Souveränität + tontechnische Sorgfalt + pädagogischer Weitblick = ERNA


Interview mit Tobias Meinen, dem Ideengeber von ERNA und Musikschulleiter der Städtischen Musikschule Lahr



ERNA: Du hattest die Idee von ERNA. Wie kam es dazu?


Tobias Meinen: Bevor ich Schulleiter der Städtischen Musikschule Lahr wurde, habe ich viele Jahre Musikproduktionen realisiert. Als ich dann 2009 in die Musikschule kam, war ich schon erschrocken über den digitalen Entwicklungsstand von musikpädagogischen Einrichtungen.


ERNA: Was hat diese Tatsache bei dir ausgelöst?


Tobias Meinen: Zunächst habe ich begonnen, meine Kompetenzen aus dem Bereich Musikproduktion auf die Musikschule zu übertragen. Einer meiner ersten Schritte war die Einrichtung eines musikschuleigenen Tonstudios.


ERNA: Mit welcher Intention?


Tobias Meinen: Schüler:innen sollten aufgenommen werden, damit sie sich selbst beim Musizieren hören können. Den Lerneffekt dieser Maßnahme halte ich für essentiell. Sie müssen sich selbst hören.


ERNA: Hast auch Du so Dein Instrument gelernt?


Tobias Meinen: Ja, ich hatte schon immer eine gewisse Technikaffinität. Noch kein halbes Jahr hatte ich Bass gespielt, da habe ich mir ein gebrauchtes Vierspuraufnahmegerät mit Musikkassette gekauft. Damals konnte ich vier unabhängige Tonspuren aufnehmen. Später folgte ein Atari und danach mein erster Apple-Computer mit Aufnahme-Software.


ERNA: Wie ging es an der Musikschule weiter?


Tobias Meinen: Bei meinem Schulleiterlehrgang an der Bundesakademie in Trossingen 2009 war das Thema meiner Abschlussarbeit: „Eine digitale Korrepetitionsplattform“.


ERNA: Das ist ja unglaublich! Jetzt schreiben wir das Jahr 2021 - was ist dazwischen passiert?


Tobias Meinen: 2013 habe ich im Fachmagazin „üben und musizieren“ (Schott Verlag) die Vision einer digitalen Lernplattform skizziert. Neben der Korrepetitionsfunktion, ging es damals auch um Musiktherorie und ein Bandplayer war auch schon geplant.

Letztlich haben wir einen Prototypen mit der Unterstützung des Freundeskreises der Musikschule Lahr programmieren lassen.


ERNA: Was ist daraus geworden?


Tobias Meinen: Es ist nicht viel daraus geworden, weil ein solches Projekt neben dem Musikschulalltag nicht zu stemmen ist, aber ich wollte beweisen, dass eine solche Plattform ein Riesengewinn für die Musikschulwelt wäre.


ERNA: Das war 2013. Ernani wurde 2020 gegründet. Was brauchte es, um das Projekt letztendlich zu realisieren?


Tobias Meinen: Der Landesverband der Musikschulen Baden-Württemberg hat mich 2019 darum gebeten, in den Arbeitsgruppen Digitalisierung und Zukunftswerkstatt mitzuwirken. Plötzlich war das Thema wieder sehr aktuell. Am Ende des Prozesses haben wir in den Arbeitsgruppen die Funktionen der ERNA-App festgelegt.

Mein Arbeitgeber, die Stadt Lahr, hat einen Förderantrag beim Innenministerium Baden-Württemberg gestellt. Über „future communities“ haben wir letztlich 100.000 € Förderung bekommen, die Stadt Lahr musste diesen Betrag verdoppeln. Mit diesem Geld wurden Open-Source-Versionen von verschiedenen Audio-/Video-Playern realisiert. Das war der Auftakt zur Gründung der Ernani GmbH. Sie hat den Quellcode bei der Stadt Lahr lizensiert und die App mit verschiedenen weiteren Funktionen weiterentwickelt und umgesetzt.


ERNA: Wer steht hinter ERNA?


Tobias Meinen: Hinter ERNA steht die Ernani GmbH. Es handelt sich um Investoren, denen vor allem der ideelle Wert dieser App wichtig ist. Die Idee, eine weltweit verfügbare Plattform mit höchster klanglicher und visueller Qualität umzusetzen, hat sie begeistert und veranlasst, ihr Geld in dieses Projekt zu investieren. Auch die Idee zur Demokratisierung von Bildung hat eine Rolle gespielt.


ERNA: Warum ist ERNA denn dann hinter einer „Paywall“?


Tobias Meinen: Es war tatsächlich eine Überlegung, ERNA kostenfrei zur Verfügung zu stellen, bei unserem Qualitätsanspruch ist das leider nicht möglich. Wir werden aber dennoch unsere Preise sehr moderat halten, um ERNA für möglichst viele Interessierte zugänglich zu machen.


ERNA: Braucht es dafür eine GmbH?


Tobias Meinen: Wir haben viele Ideen durchgespielt und überlegt, welche die beste Umsetzung garantiert. Die Tatsache, dass wir innerhalb von einem Jahr rund 800 Korrepetitionswerke aufgenommen haben, zeigt uns heute, dass die Form einer GmbH die richtige war.


ERNA: Warum das?


Tobias Meinen: Das ganze Projekt wurde in neudeutsch „agil“ entwickelt, das heißt, wir haben uns strategisch fast täglich auf neue Herausforderungen einlassen und diese lösen müssen. Die Entscheidungen, die mitunter auch sehr große finanzielle Auswirkungen hatten, konnten so immer im kleinen Kreis abgestimmt werden und das hat uns schnell und effizient gemacht.


ERNA: Was wäre denn die Alternative zu einer GmbH gewesen?


Tobias Meinen: Wir hatten überlegt, über die Verbandsschiene bzw. auf der kommunalen Schiene eine Realisierung hinzubekommen. Beides ist aus rechtlichen Gründen aber verworfen worden.


ERNA: Von der Idee zu einer Plattform für die Musikschule Lahr, hin zu einer weltweit verfügbaren App, ist es jedoch ein großer Bogen!?


Tobias Meinen: Man muss sich vergegenwärtigen, dass es die ersten Tablet-Computer (I-Pads) erst seit 2010 gibt. Die Verfügbarmachung von Apps von kleinen Firmen, die weltweit vertrieben werden können, ist erst damals geboren. Deshalb hat sich mein Konzept auch dahingehend verändert, dass wir mit den besten Musiker:innen Aufnahmen umsetzen wollen, die wir dann weltweit abrufbar machen können. Ich finde es tatsächlich fantastisch, wenn erfolgreiche Musiker:innen wie Tabea Zimmermann nicht nur die großen Werke für ERNA einspielen, sondern auch Kinderlieder. Als ich bei diesen Aufnahmen im Studio saß, hatte ich tatsächlich Gänsehaut. Es hat mich fasziniert, was diese Künstler:innen aus uns allen bekannten Liedern machen können. Diese Musikalität und klangliche Perfektion halte ich für pädagogisch superwertvoll für unsere Nutzer:innen.


ERNA: Wer sind denn genau die avisierten Nutzer:innen?


Tobias Meinen: Wir wollen alle Profimusiker:innen und Amateurmusiker:innen ansprechen, um von unseren Inhalten zu profitieren. Optimiert wurde der Einsatz für musikpädagogische Einrichtungen wie Musikschulen und Musikhochschulen, Musikvereine, private Lehrkräfte, aber auch an allgemeinbildenden Schulen gibt es schon Einsatzpunkte für ERNA.


ERNA: Hast Du schon eine Idee wie ERNA sich weiterentwickeln wird?


Tobias Meinen: Ich bin mir sicher, wenn Musiker:innen ERNA nutzen, werden viele neue Ideen kommen, um ERNA stetig weiterzuentwickeln und zu verbessern.


ERNA: Inwiefern?


Tobias Meinen: Der Musikschulunterricht wird zukünftig weit weniger lehrkraftzentriert sein. Die Lernenden können mit ERNA viel selbstbestimmter arbeiten.


ERNA: Was bedeutet das für die Lehrkräfte?


Tobias Meinen: Für sie ist ERNA eine ziemlich fleißige, verlässliche und immer verfügbare Assistenz. Auch die Lehrer:innen haben dadurch eine viel breitere Angebotspalette für ihre Schüler:innen.


ERNA: Bisher liegt der Schwerpunkt auf der Korrepetiton. Was ist mit dem populären Bereich der Musik?


Tobias Meinen: Auch hier läuft die ERNA-Maschinerie in gewohnter Qualität an. Bis Ende 2021, bin ich mir sicher, werden wir auch hier viele hochwertige Angebote abrufen können.


ERNA: Welche können das für diesen Bereich sein?


Tobias Meinen: Ebenso wie in der Klassik, von Anfänger:innen-Literatur bis in die höchsten Schwierigkeitsgrade, wird es Content geben: Tutorials, Playalongs, Improvisationskonzepte, Rhythmusschulen, stilistische Fragen,…


ERNA: Welche Rolle spielst Du in dem Ganzen?


Tobias Meinen: Weiterhin möchte ich als Musikschulleiter in Lahr aktiv sein, weil ich glaube, dass man an dieser Stelle sehr viele Gestaltungsmöglichkeiten hat.

Ich will weiterhin Ideen entwickeln und umsetzen und die musikpädagogische Welt mitgestalten.


ERNA: Eine letzte Frage: was macht bei ERNA den Unterschied?


Tobias Meinen: Mit Sicherheit die „ERNA-Qualität“, aber auch die Tatsache, dass ERNA von Musiker:innen und Musikpädagog:innen erdacht und umgesetzt wird. Daher ist die ERNA App in ihrer Anlage einzigartig.


ERNA: Entschuldige, was ist „ERNA-Qualität“?


Tobias Meinen: Wir arbeiten in zwei Aufnahmestudios mit hervorragenden Tonmeistern, mehreren Nachbearbeitungsplätzen und den besten Musiker:innen, die allesamt ihr Handwerk künstlerisch und technisch verstehen. Die Summe aus künstlerischer Souveränität, tontechnischer Sorgfalt, pädagogischem Weitblick und technischer Ausstattung führt zu unserer einzigartigen ERNA-Qualität.



Vielen Dank für das Gespräch und die Einblicke, die Du uns gegeben hast.






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