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Interview mit Vukan Milin


Vukan Milin, Soloflötist am Staatstheater Hannover



Wann hast du angefangen, Querflöte zu spielen?


Wie viele Kinder, habe ich im Alter von sechs Jahren mit der Blockflöte begonnen. Ich hatte große Freude am Flötenspiel und war auch erfolgreich darin. Das hat meine Lehrerin in der Schule erkannt und mir empfohlen, bei einer anderen, ihr bekannten Flötenlehrerin Unterricht zu nehmen. So nahm alles seinen Lauf. Ich habe bei Jugend musiziert mitgemacht, bei Landes- und Bundeswettbewerben. Mit 12 Jahren habe ich dann zur Querflöte gewechselt, deren Klang ich seit jeher mochte. So hatte ich die Möglichkeit, mit dem Landes- und Bundesjugendorchester die große Welt der Musik kennenzulernen.


Noch während der Schulzeit habe ich mit dem Studium an der Hochschule für Musik Köln bei Hans-Martin Müller und Andrea Lieberknecht begonnen. Mein Lehrer hat mich allerdings dazu genötigt, das Abitur erst abzuschließen und mich danach voll dem Musikstudium zu widmen. Im Musik- und Kunststudium ist es nämlich nicht unbedingt erforderlich, das Abitur zu haben. Später war ich froh um seine „Härte“.


Es gab noch einen Wechsel an die Hochschule für Musik München zu Professor Paul Meisen. In ihm hatte ich einen wunderbaren Lehrer, der mich sehr gut erkannt hat und mich optimal gefördert und hingeführt hat zu dem, was ich heute kann und bin.


Auch war ich ein Jahr im Ausland, an der University of Arts in Tokyo, wo ich an der Gei-Dai und ebenfalls bei Paul Meisen und Ch. K. Kim studiert habe, was mich in künstlerischer und ästhetischer Hinsicht sehr stark geprägt hat. Die Zeit in Japan hat mir einen neuen Horizont gegeben.


Und mit Abschluss des Studiums begann auch schon meine Zeit in Hannover. Ich wollte eine Stelle als Soloflötist. Damals war eine solche Stelle in Hannover frei. Nach meinem ersten Vorspiel konnte ich direkt anfangen. Bis heute bin ich da geblieben, es ist der richtige Ort für mich.


Auch haben sich schöne Möglichkeiten ergeben, an anderen Häusern zu spielen. So war ich in der Münchner Staatsoper, bei den Festspielen in Bayreuth und in der Elbphilharmonie in Hamburg als Soloflötist tätig, was natürlich auch wunderbare Erfahrungen waren.



Spürst du auch einen pädagogischen Impuls?


Ja natürlich. Sehr. Das ist die zweite und ebenfalls wichtige Säule meines beruflichen Lebens. Ich unterrichte leidenschaftlich gerne. Schon im Alter von acht Jahren habe ich begonnen, andere Schüler*innen zu unterrichten. Es hat mir damals schon Freude gemacht. Meine ganze Schulzeit über, habe ich andere unterrichtet.


Als Dozent bin ich an der Hochschule für Musik Hannover, habe mich aber dagegen entschieden, eine Professur anzustreben. Man begleitet seine Schüler*innen intensiv und mit Herzblut, am Ende schaffen es aber nur 10%. Das System in diesem Bereich ist sehr hart. Auf Dauer ist das einfach auch frustrierend.


Aber ich gebe sehr sehr gerne und immer wieder Meisterkurse oder begleite Schüler*innen in einer Vorbereitungsphase für eine gewisse Zeit, ein halbes oder ein Jahr lang.


Ich brauche jedoch immer wieder auch den Abstand, ich lasse mich sehr vereinnahmen und bin dann zu involviert.



Was denkst Du über ERNA?


Es war schon ein Zufall, dass ich davon erfahren habe. Mein ehemaliger Schulfreund Nikolaus Halfmann, jetzt Geschäftsführer der Ernani GmbH, ist auf der Recherche nach Musiker*innen auf mich gestoßen und hat mich mit der Frage kontaktiert, ob ich mir nicht vorstellen könne, für diese neue Musiklernplattform einzuspielen.

Ich war erstaunt, dass es so etwas noch nicht gibt. Neugierig habe ich mir das Konzept angehört und denke, dass es in diese Zeit passt, dass man auf diese Weise viele Schüler*innen erreichen und inspirieren kann. Wichtig finde ich, dass Schüler*innen die Musik, die sie anhören und mitspielen wollen in hoher Qualität vorfinden und nicht als Zufallsfund im Netz auf oft zweifelhaftem Niveau. Die Zeit für ERNA ist reif.

Die Atmosphäre im Studio hat mich begeistert: es ist schön da, es gibt ein gutes Team und es macht Spaß. Ich könnte mir gut vorstellen, noch mehr zur musikalischen Bibliothek von ERNA beizutragen.



Warum ausgerechnet Flöte?


Es sind ja viele Mädchen und Frauen, die die Flöte lieben und spielen, warum weiß ich eigentlich auch nicht. Ich habe den Klang der Flöte schon immer gemocht, neben der Harfe war es schon früh mein Lieblingsinstrument. Und nachdem das Erlernen der Harfe sich als nicht praktikabel herausgestellt hatte, habe ich mich ganz klar für die Flöte entschieden. Natürlich habe ich mal das ein oder andere Instrument ausprobiert, bin aber immer wieder zur Flöte zurückgekehrt. Das zweihändige Klavierspiel war zum Beispiel gar nichts für mich, ich bin auch mathematisch nicht sonderlich begabt, auch die Geige, auf der man den Ton erst suchen muss, war nichts für mich. Das Lineare der Flöte hat mir immer gefallen. Und dieser besondere Klang, der einerseits etwas Beseeltes hat und andererseits etwas sehr Archaisches und Ursprüngliches. In dieser Diversität gibt es ein riesiges Klangspektrum.


Besonders gerne spiele ich die französischen Komponisten Poulenc, Fauré, Mouquet und weitere; sie können diesen Klang sehr gut transportieren.


Die Flöte ist aber nicht nur beseelt, sie hat auch etwas Sportliches, Schnelles. Sie kann flirrend, hell, fröhlich, seelenvoll, berührend, cantabile (singend) sein, die Flöte kann einen Glanz erzeugen, der sich über alles legt. Das ist das, was mich immer wieder fasziniert.



Was hat es mit deiner Flöte auf sich?


Ich spiele eine Muramatsu Flöte. Das ist ein japanischer Flötenbauer. Sie waren die ersten, die eine Flöte aus vollem Gold gebaut haben, üblich waren Silberflöten. Und meine Flöte ist tatsächlich eine Goldflöte, ein Instrument aus reinem Gold.

Dadurch hat sie einen ganz besonderen Klang, Gold ist ja ein weiches Material, was einen warmen Ton macht. Sie ist nicht ganz einfach zu spielen. Ich musste sie mir erst erarbeiten. Einerseits ist sie schwer, wiegt also mehr als andere Flöten und dann braucht man dafür auch noch richtig viel Luft. Das war auch ein Grund, warum ich mich für sie entschieden habe. Ich bin groß und habe viel Atemvolumen, da musste ich mich bei anderen Flöten manchmal bremsen. Und dann gibt es eben auch noch eine besondere Verbindung zu Japan. Sie ist für mich persönlich gebaut worden.



Vukan, woher kommt eigentlich dein Name?


Mein Vater ist Serbe, daher der Name. Aber nicht nur der Name. Obwohl ich nicht viel Zeit in Serbien verbracht habe und die Sprache überhaupt nicht spreche, habe ich den Eindruck, dass es so etwas wie ein musikalisches Gen gibt, das in meinem Fall osteuropäisch geprägt ist. Das Gefühl für Rhythmus ist anders. Es ist der wilde und energievolle Teil in mir. „Ich glaube sogar, dass ich Zigeunerblut in mir habe.“


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