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  • ERNA

Interview mit Oliver Siefert


Soloposaunist des Hessischen Rundfunks seit 1991 und!

Professor für Posaune an der hfmdk Frankfurt




Wann hast du angefangen, Posaune zu spielen?


Mit 7 Jahren habe ich mit dem Tenorhorn begonnen und erst mit 12 oder 13 Jahren zur Posaune gewechselt. Mit der Posaune gibt es zahlreichere Möglichkeiten, in Ensembles und Orchestern zu spielen. Auch stilistisch ist die Posaune umfangreicher. Meine musikalische Ausbildung habe ich an der Musikschule Lahr bei Joachim Volk begonnen, parallel dazu war ich auch im Musikverein, aber die Musikschule war schon meine soziale Heimat. Jeden Tag ein anderer Termin: Ensemble, Brassband, Einzelunterricht, Kapelle, Orchester. Das war eine gute Zeit.


Mein Posaunenlehrer war es auch, der mich ermuntert und ermutigt hat, diesen Weg beruflich einzuschlagen. Meine Familie hat das Vorhaben ebenfalls sehr unterstützt. So kam es, dass ich an der Musikhochschule in Trossingen vorgespielt habe und angenommen wurde. Ein Jahr nach Studienbeginn kam ein neuer Professor für Posaune nach Trossingen. Da musste ich noch einmal vorspielen, um zu diesem wechseln zu können. Auch das hat geklappt. Ich bin da etwas blauäugig reingestolpert, aber richtig gelandet.


Um in einem Berufsorchester eine Anstellung zu bekommen, musste ich mit vielen anderen Bewerbern vorspielen. Diese sogenannten Probespiele gingen oft über mehrere Runden, bis ein*e Kandidat*in engagiert wurde.

Dies zu erreichen, bedeutet für alle Bewerber*innen eine jahrelange Übedisziplin und Durchhaltevermögen. Und natürlich ist es auch die Tagesform beim Vorspiel, die entscheidet. Bei mir hat es dann beim Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks in Frankfurt als 1. Soloposaunist geklappt. Ich spiele dort immer noch sehr gerne.



Was magst Du besonders an der Posaune?


Das Klangspektrum und die Vielseitigkeit. Immer habe ich diesen Klang gerne gehört. Leider gibt es für Posaune zu wenig Sololiteratur und auch im Orchester wird die Posaune zu wenig eingesetzt. Mehr spielen würde mehr Spaß machen.



Du hast einen außergewöhnlich weichen und runden Ton auf der Posaune. Gibt es da einen Trick?


Es liegt jedenfalls nicht am Instrument, sondern an der Spieler*in!

Mein damaliger Professor in Trossingen, Branimir Slokar, hat in Frankreich studiert. Dort wurde eine andere Klangrichtung und Artikulationsweise gelehrt. Diese Art zu spielen hat mich sehr geprägt. Branimir Slokar hat die Posaune auch als solistisches Instrument in den Vordergrund gerückt und attraktiv gemacht. Seine Art zu musizieren und und zu unterrichten war sehr prägend für mich.



Spürst du auch einen pädagogischen Impuls?


Ja, auf jeden Fall. Ich müsste ja nicht unterrichten, aber ich mache das richtig gerne. Mein Wissen und meine Erfahrung möchte ich gerne weitergeben, es interessiert mich, junge Menschen in ihrer musikalischen Entwicklung zu begleiten.

Die Beziehung zwischen Professor*in und Student*in ist nicht mehr so wie zu meiner Studienzeit, wo nicht diskutiert wurde, sondern Aussagen Gesetz waren, zum Glück. Aber in technischen Dingen bin ich unerbittlich, da gibt es Vorgaben, z.B. Intonation und Ansatz. In anderen Bereichen gibt es nicht das eine Richtig, da muss man auch unterschiedliche Vorstellungen gelten lassen, auch wenn es nicht dem eigenen Geschmack entspricht.


90% der Absolvent*innen wollen ins Orchester und haben von Vornherein kein Interesse am Unterrichten. Die Stellen sind allerdings rar. Wenn die Lehrer*in und auch die Schüler*in merken, dass es zu wenig Fortschritte gibt, muss man auch offen und ehrlich miteinander sprechen und fragen, ob ein weiteres Studium noch Sinn macht. Somit verliert die Schüler*in nicht allzu viel Zeit, um gegebenenfalls etwas Neues zu beginnen.


Ich habe nur eine halbe Professur, da habe ich acht Student*innen, das ist eine Anzahl, bei der es richtig Spaß macht, zu unterrichten.

Und wenn es dann gelingt, die „Schäfchen“ unterzubringen, ist die Freude natürlich groß.



Was denkst du über ERNA?


Am Anfang war ich sehr skeptisch. Die Musikschulen ringen zum Teil schon um ihre Existenz, alles was die Musikschulen bedrohen könnte, wollte ich nicht unterstützen. Die Städte könnten ihre Förderung streichen oder einstellen, wenn sie das Gefühl hätten, dass diese nicht mehr so relevant sind. Ich bin überzeugt von der Wichtigkeit des direkten Kontaktes, auch aus sozialen Aspekten heraus. Nicht zu vergessen die Prägung und Entwicklung durch inspirierende Persönlichkeiten.


Ich sehe aber, dass sich ERNA als Hilfsmittel versteht und keinesfalls den Präsenzunterricht ersetzen möchte.


Was mich überzeugt und begeistert, ist die Professionalität von ERNA. Sowohl die insgesamt gesellschaftliche Entwicklung, als auch die aktuelle Phase (Corona) zeigen auf, dass es mehr Flexibilität in der Form des Unterrichtens braucht. Und wenn einem dann Mittel in dieser Qualität zur Verfügung stehen, ist das richtig.


Wenn ich nicht vom Konzept überzeugt wäre, würde ich nicht mitmachen.

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