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Interview mit der Klarinettistin Flavia Feudi



Wann hast du angefangen, Klarinette zu spielen?


Mit 8 Jahren habe ich im Musikverein in meinem Dorf in Italien angefangen, Klarinette zu spielen. Davor allerdings musste ich ein Jahr das „solfeggio“ absolvieren, ein Theoriekurs, der Voraussetzung für die Ausbildung im Musikverein war. Dort lernte ich Noten lesen, Noten singen,… .

Eigentlich wollte ich Querflöte lernen, aber zu dieser Zeit brauchten sie dringend Klarinette, also lernte ich Klarinette. Das Instrument hat in meiner Familie eine gewisse Tradition, schon mein Großvater und mein Urgroßvater haben Klarinette gespielt. Ich besitze noch das Instrument meines Urgroßvaters von ca. 1850.


Mit 11 schon habe ich mein Studium in Rom begonnen, was vergleichbar mit einem Vorstudium an einer Musikhochschule ist. Vier Nachmittage die Woche habe ich dort verbracht. Ich musste dadurch zwar auf viele Sachen in meiner Jugend verzichten, habe diese Zeit jedoch in sehr schöner Erinnerung. Es war ein sehr strenger Plan, trotzdem war es das, was ich wollte. Meine Eltern haben keinen Druck auf mich ausgeübt, ich habe mich nicht gezwungen gefühlt, das zu tun. Es war meine Entscheidung. Ich habe also gleichzeitig Abitur gemacht und Klarinette studiert. Nach dem Abitur habe ich zusätzlich zum Klarinettenstudium, Latein und Griechisch an der Uni studiert, dafür hatte ich großes Talent und es hat mir unheimlich viel Spaß gemacht. Beides auf hohem Niveau auszuüben, war jedoch nicht möglich. So musste ich mich für einen dieser Bereiche entscheiden. Die Frage, die ich mir gestellt hatte, war: auf welchen Bereich könnte ich in meinem Leben eher verzichten? Und da war die Antwort klar: Ein Leben ohne Klarinette war und ist für mich nicht vorstellbar. Die Klarinette ist wie ein guter Freund. Musik zu machen, ist sehr sozial. Es bedeutet auch, viele Freunde zu haben. Das Zusammenspielen hat in der Entscheidung den Ausschlag gegeben. Also habe ich weiter Klarinette studiert und mit dem Master abgeschlossen.


Zwei Jahre später habe ich mich entschieden, im Ausland Erfahrungen zu sammeln und so bin ich in Österreich, in Salzburg, gelandet. Dort habe ich ein weiteres Masterstudiium angeschlossen und parallel dazu im Orchester und in kammermusikalischen Ensembles gespielt., auch Probespiele waren ein weiterer Bestandteil meiner musikalischen Erfahrungen.


Das war die Zeit in meinem Leben, in der ich wie verrückt geübt habe, 8 bis 10 Stunden pro Tag. Man muss erst ein Gespür dafür entwickeln, wieviel Spielen und Üben gut und richtig ist. Im Nachhinein betrachtet war es zu viel. Alle haben zu viel geübt und alle waren auf eine Art einsam.


Es folgte ein Umzug nach Berlin. Dort hatte ich eine gute Begleitung durch Wenzel Fuchs, meinen Professor vor Ort. Jetzt war es Zeit, im Erwachsenenleben anzukommen, zu überlegen wie ich leben wollte. Meine Idee war es, mit 30 Jahren unabhängig von meiner Familie leben zu können. Der Verdienst als Musikerin ist oft recht gering.


Genau in dieser Zeit kam erstmalig die Idee, zu unterrichten. Ich habe mich an Musikschulen in Berlin beworben und dort eine Anstellung auf Honorarbasis bekommen.


Bald schon habe ich festgestellt, dass mir das Unterrichten liegt. Ich kann mich sehr gut in die Schwierigkeiten der Schüler*innen hineinversetzen und ihnen Hilfestellung geben. Das liegt daran, dass ich selbst kein überaus musikalisches Kind war, ich musste sehr viel üben. Ich habe mir sehr viel über den Kopf erschließen müssen, daher kann ich Dinge in Worte fassen, die die Schüler*innen noch nicht einmal bewusst wahrgenommen haben. So weiß ich genau, was es braucht, um gewisse Schwierigkeiten zu lösen, wie man ganz bewusst üben kann, um bestimmte Probleme zu lösen.


Da mein Partner in den Süden Deutschlands ziehen wollte, habe ich mich in Süddeutschland nach einer Festanstellung umgesehen und bin so in Lauffen gelandet. Schon beim Vorspiel habe ich mich wohlgefühlt, ich konnte mich ausdrücken. Zum ersten Mal habe ich als Person, als Mensch vorgespielt und nicht nur als Instrument.



Spürst Du auch einen pädagogischen Impuls?


Ja, auf jeden Fall. Das ist es, wofür ich mich entschieden habe.

Im Unterricht müssen wir sehr kreativ sein und uns an jedes Kind anpassen. Jedes Kind ist anders, hat eine andere Geschichte, Vorgeschichte und Zukunft. Ich muss tolerant sein und darf nicht vergleichen. Mit mir selbst bin ich sehr streng, das gilt nicht für die Schüler*innen. Für die meisten ist Musizieren ein Hobby, nur wenige streben eine musikalische Karriere an. Das respektiere ich. Alle können Fähigkeiten für ihr Leben ausbauen und mitnehmen: Konzentration, Respekt, Leidenschaft,… . Mein Ziel ist es, auch das zu vermitteln.


Ich selbst konnte auch nicht gleich im ersten Moment etwas umsetzen. Nicht alle meine Lehrer haben das verstanden. Ich frage meine Schüler*innen, ohne anzuklagen oder zu urteilen „Was hast du für heute vorbereitet? “ anstatt "was hast du für heute geübt? “.



Was gefällt dir an der Klarinette besonders?


Die Klarinette ist ein unglaublich vielfältiges Instrument, man kann klanglich in unterschiedlichste Richtungen gehen: Klassik, Jazz, Klezmer, Blasmusik,… . Es ist schön im Duo oder im Trio zu spielen.

Es ist ein Instrument, das gute Kommunikation erfordert. Außerdem gibt es sehr schöne Literatur für die Klarinette, für jeden Geschmack etwas Passendes.


Einen Nachteil hat die Klarinette allerdings: die Blättchen!

Fast nie hat man das richtige Blatt. Bei jeder Luftveränderung ist es anders, darauf zu spielen. Ständig muss man sich neu orientieren und aufpassen. Schnell ist der Klang anders, zu schrill oder nicht weich genug, es spricht nicht so gut an, man braucht also mehr Puste. Es ist eine sehr subjektive Empfindung. Ich zum Beispiel kann gar nicht mit Kunststoffblättchen spielen. Es ist mir zu glatt und ich rutsche mit der Lippe ab. Das ist alles für mich nicht optimal.


Was denkst Du über ERNA?


Zunächst einmal mag ich den Namen. Wir Italiener*innen lieben die Oper. Ernani von Verdi ist eine schöne, aber nicht zu oft gespielte Oper. Das ist schon sympathisch.

Die Idee, die dahinter steckt, halte ich für eine sehr gute Intuition.

Für uns als Lehrer*innen ist es ein Problem, das Zusammenspiel zu organisieren. Mit ERNA haben die Schüler*innen die Möglichkeit, sich zuhause an die Klavierstimme und an die Gesten der nonverbalen Kommunikation zu gewöhnen. Auch lernen sie durch das Bild zu imitieren. So können sie im Live-Zusammenspiel auf einem anderen Niveau beginnen.


ERNA ist auch ein Kommunikationsmittel, das die Kinder kennen. Das ist ein großer Vorteil. Für die Kinder hat es Spielcharakter. Das Format kommt gut an und macht Spaß.

Es spricht die Sprache der Schüler*innen. ERNA macht Üben cooler.


Für mich ist ERNA auch eine große Zeitersparnis. Bei den jüngeren Schüler*innen haben die Eltern die App, wir arbeiten also zu dritt. Die Eltern sind immer über die Hausaufgaben informiert. Schon immer habe ich mir am Ende des Tages Notizen gemacht. Jetzt kann ich das gleich in der App machen und habe einen guten Überblick. Auch die Chatfunktion ist sehr hilfreich.


Für mich ist die App super zur Vorbereitung und als Hilfsmittel.

ERNA unterscheidet sich von den gängigen Playalongs durch die Qualität und die Funktionen. Wunderbar ist zum Beispiel die Tempofunktion, dass man Stücke zum Üben langsamer abspielen kann.


Im Lockdown habe ich auch für mich selbst mit ERNA gespielt, einfach um musikalische Gesellschaft zu haben. Das war auch schön.

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