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Interview mit den erfolgreichen Hornisten Jaehyung Kim und Marc Gruber


Die beiden Hornisten Marc Gruber und Jaehyung Kim, erfolgreiche Solo- und Orchestermusiker, hier wunderbar begleitet von der Pianistin Zeynep Artun-Kircher, beide Mitglied des Hornensembles XII Cornisten der Deutschen Philharmonie Merck im Gespräch mit ERNA







ERNA: Horn ist in der Regel nicht das erste Instrument, das einem Kind einfällt, erlernen zu wollen. Wie seid Ihr zu Eurem Instrument gekommen?


Jae Kim: Ich komme aus einer Musikerfamilie. Mein älterer Bruder hat schon Klarinette und Oboe gespielt. Meine Mutter ist Pianistin, mein Vater Hobbyquerflötist.

Wenn ich mit meiner Familie im Konzert war, haben mich immer diese Instrumente mit dem schönen Glanz, mit dem schönen Schimmer fasziniert. Auch dass diese Gruppe nach dem Solo oder nach dem Konzert alleine aufgestanden ist, um extra Applaus zu bekommen, fand ich cool. So habe ich meine Mutter gefragt, was das denn für scheinende, glänzende Instrumente sind. Sie hat mir gesagt, dass das Trompeten und Hörner sind. Schnell war für mich klar, dass ich Kampfsport und Klavierunterricht gegen Hornunterricht tauschen würde.


Marc Gruber: Tatsächlich war es für mich das erste Instrument. Und auch die erste Idee, ein Instrument zu spielen: Mein Vater ist Hobbyjäger. Als ich vier Jahre alt war, hat er das bronzene Jagdhorn gewonnen. Ich wollte es spielen können. Und ich habe tatsächlich gleich einen Ton herausbekommen. So habe ich zusammen mit meinem Vater das Jagdhorn blasen gelernt.

Zudem war ich in Duisburg bei einem Kinderkonzert von Peter und der Wolf. Die Hörner haben den Wolf angekündigt. Das hat mich fasziniert. So habe ich ganz früh Hornunterricht genommen. Ich habe mit einem Gartenschlauch mit aufgesetztem Trichter begonnen, weil es in dieser Größe noch kein Instrument gab.



ERNA: Was ist für Dich das Besondere an diesem Instrument?


Jae Kim: Horn ist Klang. Das Horn hat viele verschiedene Farben, man kann so unterschiedliche Sachen damit spielen. Man kann in so vielen Besetzungen spielen: Blechbläserensemble, Holzbläserensemble, Orchester,… . Das Horn ist das Bindeglied zwischen Streichern und Bläsern.


Marc Gruber: Das Horn ist das einzige Instrument, das nicht direkt in das Publikum spielt, da der Schalltrichter nach hinten zeigt. Daher ist es für den Zuhörer nie direkt, sondern immer über Reflexionen wahrnehmbar, was seinen Klang so herrlich weich und rund macht.


Zum Horn fallen mir viele besondere Eigenschaften ein: weich, indirekt, Wohlfühlklang, rund, golden, vielfältig,…

Das Instrument gibt keine Grenzen vor, es hat unglaubliche Möglichkeiten. Man kann so tief und hoch spielen wie man möchte und so leise und laut wie man kann.



ERNA: Heute hast Du als Solist gespielt. Neben dem Spiel im Orchester bist du Mitglied eines Hornensembles. Eine Formation von 12 Hörnern ist sehr außergewöhnlich, vielleicht sogar einzigartig. Was ist der besondere Reiz daran?


Jae Kim: Das Horn umfasst 4 1/2 Oktaven. Mit dem Horn kann man alles spielen. In der Kammermusik klingt das am besten. Das Horn kann alles abbilden. Mit dem Hornensemble haben wir schöne Projekte. Zuletzt haben wir hauptsächlich Filmmusik gespielt: Harry Potter, Herr der Ringe, Star Wars,…

Die Hörner spielen immer die schönsten Stellen, machen die Musik für den herrlichsten Moment wie z.B. das Prinzessin-Leia-Thema in Star Wars.


Alle Instrumente sind wichtig, Horn ist ein bisschen wichtiger.


Die Hörner sind entscheidend für die Qualität eines Orchesters. Spielen die Hörner gut, klingt das ganze Orchester besser und umgekehrt.


Marc Gruber: Alle anderen Instrumente brauchen andere Instrumente, um alle Tonhöhen abdecken zu können. Die Trompeten brauchen das tiefe Blech, die Geigen brauchen tiefe Streichinstrumente, die Holzblasinstrumente sind unvollständig. Da stellt das Horn eine Ausnahme dar: die Hornbläser:in kann alles alleine abdecken. Das ist von besonderem Reiz.



ERNA: Spürt Ihr auch einen pädagogischen Impuls, also ein Bedürfnis, Euer Können weiterzugeben?


Jae Kim: Ich möchte immer etwas weitergeben, seit 6 oder 7 Jahren unterrichte ich. Man gibt viel, aber man lernt dadurch selbst auch ganz viel und ich bekomme durch die Studierenden neue Ideen. Ich glaube, dass alle Musiker:innen gerne weitergeben, es ist kein Geheimnis, kein Patent. Man kann Tipps geben, üben muss am Ende jede:r selbst.


Marc Gruber: Definitiv. In Weimar werde ich als Lehrbeauftragter arbeiten. Und ich unterrichte gerne, spontan als Vorbereitung für eine Aufnahmeprüfung oder ein Probespiel. Ich möchte gerne mitteilen, was ich weiß, was ich kann, was mir geholfen hat,… Das erweitert den Horizont, auch den eigenen.

Auf der Bühne braucht es neben technischen Fertigkeiten, auch noch andere, sogenannte soft skills. Da wird man im Studium nicht so gut vorbereitet. Auf der Bühne entblättert man sich schließlich seelisch.

Die Angst etwas weiterzugeben, das mich persönlich ausmacht, habe ich nicht. Es ist schön, Wissen und Fertigkeiten zu teilen und daran zu wachsen. Natürlich kann man eine bestimmte „Schule“ heraushören, das ist aber eher etwas Verbindendes.



ERNA: Was denkt Ihr über ERNA, die Musik-App?


Jae Kim: Ich finde das fantastisch. Gutes Equipment für Schüler:innen und Student:innen. Heute ist es schwer, gemeinsam zu spielen, finanziell und organisatorisch. So viele Menschen haben keine Chance und das wird auch nicht leichter.

Mit dieser App kann man Vorspiele und Proben gut vorbereiten, gerade wenn man nicht mehr studiert, hat man kaum Zugang zu Korrepetiton.

Auch für die Hausaufgaben ist es super. Das wichtigste: man kann es jederzeit abrufen, man kann Stellen wiederholen, man kann mit dem Klavier üben. Dadurch bekommt man den Hintergrund für die Werke. Das bekommt man durch das Hören. Ohne das Zusammenspiel zu üben, fehlen Intonation und Rhythmus. Selbst während des Studiums hatte ich nur 2 mal pro Woche Korrepetiton.

Dieser Impuls ist so wichtig!


Auch für das Üben als Duo, Trio, Quartett wird es wichtig sein. Da gibt es so großes Potenzial.

Wenn man immer alleine übt, ist man zu kritisch mit sich.

Gute Musik muss nicht fehlerfrei sein, sondern musikalisch! Man muss das Herz öffnen und eine Geschichte erzählen.


Marc Gruber: Die Möglichkeiten sind klasse. So etwas gibt es noch nicht. Ziemlich cool für Student:innen und Schüler:innen, gerade auch das Einblenden und Ausblenden des Soloinstrumentes. Das Video ist zudem eine enorme Hilfe.

Durch diese App gibt es neue Möglichkeiten, die den Klassikunterricht bereichern werden.


ERNA: Gibt es große klangliche Unterschiede von Horn zu Horn? Nach welchen Kriterien wählt man sein Instrument aus?


Jae Kim: Das Alexanderhorn wird in Deutschland (Mainz) hergestellt und ist weltberühmt. 90% der Hornist:innen, die in Orchestern spielen, spielen ein Alexanderhorn. Unterschiede werden durch die Spielart erzeugt und durch Schallbecher und Mundstücke.

Im Vergleich zu Streichinstrumenten, ist es beim Horn gut: alle Instrumente kosten in etwa gleich viel. Das ist fair.


Marc Gruber: Je besser das Gespür von einem selber ist, desto größer sind die Unterschiede zwischen den Instrumenten. Die Alexanderhörner sind weit verbreitet, aber es gibt auch andere Hornbauer mit anderen Klangphilosophien. Man muss das Instrument auch immer im Verhältnis zur Spielart sehen. Wieviel Druck gebe ich, wieviel Gegendruck bekomme ich,…

Wenn ich Jaes Instrument mit meinem vergleiche, dann ist das von Jae ein SUV und meines ein E Golf Sport, agil, mit weniger Kraft zu spielen, mit mehr Freiheiten.



ERNA: Gibt es einen Komponisten, eine Komponistin oder ein Werk, das für Dich persönlich herausragend ist?


Jae Kim: Für mich ist Mozart genial. Für mich ist er der Beste, aber am schwersten zu spielen.


Marc Gruber: Das ist schwer zu sagen. Aber wenn ich mich festlegen müsste, dann ist es Brahms, die 3. Sinfonie oder das Horntrio. Wenn ich diese Werke spiele, vergesse ich, dass ich Horn spiele, so sehr verschmelze ich mit der Musik. Es ist Schwelgen und Genießen zugleich. Diese Musik geht direkt unter die Haut.





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